Dahn im April 1995
Die Deportation von 45 Dahner Bürgern am 19. April 1945 nach Poitiers
Von Otmar Weber
In den frühen Morgenstunden des 19. April 1945 hat ein französisches Sonderkommando, bestehend aus Soldaten und Polizisten, die zu dieser Aktion extra aus Straßburg kamen, Dahn großräumig abgesperrt. Allen Einwohnern wurde durch die „Ausschelle“ befohlen, sofort zur katholischen Kirche zu kommen und die Häuser offen zu lassen. Bei Nichtbefolgung des Befehls wurde mit Strafe gedroht. Der Zeitzeuge W.B. erinnert sich noch genau an diesen Morgen. Er wollte gerade mit dem Kuhgespann den Hof seiner Tante verlassen, als die Dorfschelle aufforderte, zur katholischen Kirche zu kommen. Das dürfte so gegen 9.00 Uhr gewesen sein. Zwei Elsäßer haben ihn in anständigem Ton aufgefordert, zu wenden und die Kühe auszuspannen. Die verängstigte Bevölkerung folgte widerspruchslos dem Befehl, ohne sich der Tragweite dieser Aktion bewusst zu sein. Niemand - außer einem kleinen Kreis von Eingeweihten - ahnte etwas von der bevorstehenden Deportation. Die Frauen und Kinder versammelten sich um die Kirche; die Männer wurden in die Kirche gebracht. Die Straßen um die Kirche waren durch französisches Militär hermetisch abgeriegelt. Müttern wurde es erlaubt, im Hause Scharfenberger die Flaschennahrung für ihre hungrigen Kleinkinder zuzubereiten. Niemand konnte den Kirchplatz ohne besondere Erlaubnis verlassen. W.W., damals noch Schüler, erinnert sich, daß er, von einem französischen Soldaten eskortiert, kurz sein Elternhaus aufsuchen durfte, um etwas Essbares zu holen. Während der Aktion haben französische Soldaten, die zumeist elsässisch sprachen, systematisch die Häuser geplündert. Frau L.S. traf nach der Aktion ihre Vorratskammer im wahrsten Sinne des Wortes „beschissen“ an. R.S. bekam von einem Elsäßer das Fahrrad abgenommen, das er selbst von einem Freund geliehen hatte. Bei R.W. war ein Ölbild (Porträt) durchschossen. Frau M.E. sah einen Elsäßer mit der Ledertasche ihres Sohnes davoneilen. Nur wenige Häuser blieben verschont. Es war ein heißer Tag; die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel.
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